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Geschichtliches

Bereits im Mittelalter schlossen sich die Studierenden - überwiegend aus finanziellen Gründen - zu Wohngemeinschaften zusammen. Diese nannte man Bursen, ihre Bewohner Bursarii. Daraus entwickelte sich der heutige Begriff "Bursch", womit ursprünglich ein Bewohner solch einer frühen studentischen "Zweckgemeinschaft" gemeint war. Neben den Bursen existierten auch noch andere Zusammenschlüsse von Studenten, die sogenannten Nationes. Diese nannten sich nach der jeweiligen Volksgruppe, der ihre Mitglieder angehörten, also z.B. Alemannia-Alemannen, Teutonia-Teutonen u.a. Entscheidende Veränderung in diese ersten studentischen Verbindungen, die damals noch mit dem Abschluß des Studiums endeten, kam durch die Französische Revolution und dem damit wieder neu aufgebrachten demokratischen Gedankengut: Neben der Freiheit des Einzelnen wurden die Ehre des Menschen und die Einigung der deutschen Einzelstaaten in den Vordergrund gestellt.

Die ab 1789 entstandenen Corps (u.a. Onoldia Erlangen) nahmen allerdings die politischen Interessen, die bei den später gegründeten Burschenschaften in der Verfassung stehen, nicht in ihre Verfassungen mit auf. Ihre Grundsätze waren vor allem:

  • Demokratie
  • Lebensbund
  • Aufrichtigkeit
  • Leistung

Das Corps Alemannia wurde am 20. Januar 1855, damals noch als Verein zur Akademischen Unterhaltung, mit dem Namen Agronomia an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Weihenstephan, gestiftet. Bereits ab 1866 wurde die Studentenverbindung, die immer mehr Einfluß und Zulauf bekam, verboten. Es wurde des öfteren versucht, dem entgegenzuwirken, man konnte allerdings erst ab 1901 das öffentliche Corpsleben wiederaufnehmen. 1905 siedelte das Corps Agronomia nach München über und gab das bis dato bestehende Fachprinzip auf.

In Folge der Gleichschaltung aller Organisationen durch das NS-Regime wurde 1935 das aktive Corps aufgelöst, nachdem die Corpsideale mit der zwangsweisen Überführung in den NS-Studentenbund nicht vereinbar waren. Nach dem 2. Weltkrieg begann der sukzessive Wiederaufbau und 1949 konnte das Corpsleben wiederaufgenommen werden. 1958 wurde das Corps Agronomia in Corps Alemannia umbenannt, was die Öffnung für alle Fakultäten auch im Namen widerspiegeln ließ. Heute ist das Corps Alemannia eine Gemeinschaft in Feundschaft verbundener Akademiker aller Fachrichtungen. Vom Informatiker über den Juristen bis zum Germanisten ist alles vertreten, was das Lehrangebot der Münchener Universitäten umfaßt.

Generationen von Studenten haben es ermöglicht, daß über diesen Zeitraum, unabhängig von allen politischen Strömungen, Regierungen und totalitären Systemen die corpsstudentischen Ideale gewahrt blieben.


 
Letzte Änderung:03.02.2006
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